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Choralvorspielsammlungen 

 

Der „Klassiker“ für ev. Organisten war wohl bis zum Erscheinen des EG die vierbändige Sammlung „Choralvorspiele für den gottesdienstlichen Gebrauch“ hg. von Adolf Graf und erschienen bei Bärenreiter. Die Bände I und II (BA 1223 und 5482) mit den barocken „Klassikern“ des Genres (viel Walther), Band III mir Romantikern und frühen Zeitgenossen (BA 5483) – zum Zeitpunkt des Erscheinens revolutionär, war doch die Verdammung dieser Musik noch weitverbreitet – und der Band IV (BA 5484) mit Zeitgenossen der 70er Jahre und damit äußerst „zeitgeistig“. Will heißen: Wer heute daraus spielt, muss damit rechnen, dass die Verkehrspolizisten in der Gottesdienstgemeinde hinterher sein Auto umlauern, falls sie ihm nicht gleich an der Emporentreppe den „Alcomaten“ an die Lippen drücken. Zur Ehrenrettung dieses Bandes sei gesagt, dass er immerhin ein paar originelle (ev.!) Choralbearbeitungen von Jean Langlais enthält, die es sonst nirgendwo gibt.
Nicht mehr ganz aktuell sind bei etlichen Chorälen die Tonarten. Viele nebenamtliche Kollegen praktizieren übrigens zivilen Ungehorsam, indem sie - soweit möglich - einfach die alten Choralbücher weiterverwenden.

Eine Fundgrube von Raritäten – vor allem aus der Nach-Bach-Generation und der frühen Romantik – waren mir bis zum Abebben der „Barockwelle“ und entsprechend vielseitigeren Neupublikationen die „Choralvorspiele und Orgelchoräle aus vier Jahrhunderten zum Ev. Kirchengesangbuch“ hg. von Johannes Muntschick. Meine Ausgabe in drei Bänden habe ich mir damals aus der DDR besorgen lassen. Sie war erschienen bei der Ev. Verlagsanstalt in Berlin – heute m.W. in Leipzig. Es gab auch eine Ausgabe West bei Merseburger, aber sie ist in keinem Verlagsverzeichnis mehr zu finden, also offenbar vergriffen. Deshalb kann ich hier auch keine bibliographischen Angaben mitteilen. Aber wem die schön fest eingebundenen Bände antiquarisch über den Weg laufen, der sollte zugreifen. Einziger Nachteil (?) der Sammlung ist das relativ kleine Format, deutlich unter A4 – wahrscheinlich musste man im volkseigenen „graphischen Großbetrieb Leipzig“ volkseigenes Papier sparen.

Die einzige mir bekannte umfassende Sammlung zum kath. GL , die „Orgelstücke zum Gotteslob“, erschienen 1975 als „halboffizielle“ Publikation in sechs Bänden im Bonifatius-Verlag Paderborn. Weil ich jahrelang ohne Ansehen der Konfession in der Kapelle eines Klinikums georgelt habe, bekam ich sie vom - lieben, wie so oft in diesem Berufsstand längst pensionsreifen - kath. Klinikpfarrer geschenkt. Wahrscheinlich wollte er damit erreichen, dass ich nicht ständig so „evangelisch“ (d.h. mehr als zwölf Takte, vollständige Choraldurchführung in „unerhörten“ Lagen) vor den Kirchenliedern daherorgele. Seine eigenen Organisten durfte er nämlich nicht mehr mitbringen. Der leitende ärztl. Direktor des Hauses hielt den Gottesdienst und die darin enthaltene Musik für ein wichtiges Therapeutikum, war selber ein sehr guter Hobbypianist und hatte für die relativ große Klinikkapelle eine schöne Orgel anschaffen lassen (II 18 ) – und wie ich ihn kenne, wahrscheinlich größtenteils aus seiner Privatschatulle bezahlt. Er hatte die Übertragung eines kath. Gottesdienstes in die Krankenzimmer einmal abschalten lassen, als er das hörte, was eine amtierende Dame älteren Semesters so für „Orgelspiel“ hielt. Sein Kommentar: Solche „Unmusik“ könne bei frisch operierten Herzpatienten schwerste Komplikationen auslösen. Aber ich erzähle schon wieder einen Schwank – wahrscheinlich, weil ich mich um ein Urteil über die Sammlung drücken will, deren Opera überwiegend von noch lebenden Meistern stammen.
Es ist nämlich – auf die Gefahr hin, dass ich jetzt einen Konfessionskrieg auslöse – ziemlich vernichtend. In den sechs dicken Bänden, die ich übrigens auf fast jeder kath. Orgelempore umherliegen sehe, habe ich ein einziges Stück gefunden, von dem ich – völlig subjektiv natürlich – sagen kann, dass ich es wirklich „schön“ finde: eine Meditation über „O Lamm Gottes unschuldig“ von Arno Leicht. Bei allen anderen Essays der Herausgeberkommission wollte sich – trotz erkennbarer Kompositionsideen sowie reichlich summierter satztechnischer und kontrapunktischer Gelehrsamkeit – einfach kaum Spielfreude einstellen. Die Mehrzahl der Piècen wirken auf mich – ich wiederhole: völlig subjektiv – schlichtweg öde und spröde. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass nebenamtliche Organisten darauf „abfahren“. Ach ja, einige Arbeiten von Gustav Biener ließen noch Praxisbezug und „Bodenhaftung“ erkennen. Wenn das das Ideal kath. liturgischer Musik im ausgehenden 20. Jh. gewesen sein sollte, bin ich froh, ein Lutherischer zu sein.
Aber beim geplanten „GL neu“ besteht ja die Möglichkeit, es besser zu machen – zumal es etliche kath. Komponisten gibt, die Choralbearbeitungen geschrieben haben, die man gern hört und spielt (z.B. Herbert Paulmichl, der allzu früh verstorbene Karl Norbert Schmid und mein verehrter Lehrer Franz Lehrndorfer). Und ich habe die Bände nicht weggeworfen, sondern bewahre sie als „zeitgeschichtliches Dokument“ auf – nicht zuletzt als Erinnerung an meine Tätigkeit als „Musiktherapeut h.c.“.

Erstaunenswerterweise gibt es nach meinen Beobachtungen nur eine einzige umfangreichere Sammlung mit älteren Choralvorspielen zum GL: die „Leichten Choralvorspiele zum GL“ hg. von Simon Dach, bei Christophorus in Freiburg erschienen – aber m.W. nicht mehr lieferbar. Es handelt sich um eine Loseblatt-Sammlung in drei Mappen (ähnlich wie die „Orgelbox“ mit Vorspielen zum EG der bayerischen Landeskirche). Die Tonarten sind denen des GL angepasst, aber an etliche schöne Vorspiele aus protestantischem Kernbestand ist der „Zensor“ mit der Schere herangegangen . (Sie waren wohl allesamt länger als 12 Takte.) Doch immerhin, sie klingen auch „amputiert“ zeitlos schön. Ideenreich finde ich die 3. Lieferung mit „Orgelversetten zu Hallelujarufen für die Zwischengesänge des Gottesdienstes“ allerdings habe ich derlei nie in kath. Gottesdiensten „live“ gehört. Wenn überhaupt, waren das immer mehr oder weniger gut gemachte Verlegenheitsimprovisationen. Für alle, die es anders erleben, freue ich mich.

Nun zu einigen umfangreichen Sammlungen, die im Gefolge des neuen Ev. Gesangbuches (EG) seit 1995 erschienen sind.
Da wären an erster Stelle die beiden „opera magna“ von Breitkopf und Bärenreiter zu nennen.
Die Breitkopf-Sammlung heißt „In Ewigkeit dich loben“ und enthält Stücke vom 16. bis zum 20. Jh. Die Sammlung ist nicht alphabetisch nach Liedanfängen wie bisher, sondern nach Gesangbuchnummern geordnet. Die Bände 1 bis 4 (EB 8571 – 8574) umfassen den Stammteil des EG, Band 5 (EB 8670) enthält Beaarbeitungen zu „ausgewählten Liedern der Regionalteile“. Die Sammlung ist m.E. erste Wahl, stilistisch vielseitig, editorisch gut gemacht, mit dem bei Breitkopf üblichen exzellenten Notenbild. Sie gehört an jede ev. Orgel – und die Gemeinde sollte sie beschaffen. Denn rund 150 Euro sind für nebenamtliche Organisten bei aller Liebe zum Handwerk kein Pappenstiel. Und nicht jeder hat einen so großzügigen Sachbearbeiter beim Finanzamt wie ich, der mir als Dankeschön für meine nachvollziehbare und pflegeleichte Steuererklärung immer reichlich Notenkauf als Arbeitsmaterial anerkennt.

Wenn nicht Breitkopf, dann die nicht minder gut gemachte Sammlung „Choralvorspiele“ zum Ev. Gesangbuch“ hg. von Jürgen Bonn, erschienen in sechs Bänden bei Bärenreiter (BA 8224 –25 –28 –29 –30 –38 ), ebenfalls nach EG-Nummern geordnet, ebenfalls stilistisch äußerst vielseitig und nach nachvollziehbaren Qualitätskriterien zusammengestellt. Zur Breitkopf-Ausgabe gibt es erfreulich wenige Doubletten, so dass der Besitz beider Sammlungen einen repräsentativen und recht umfassenden Querschnitt durch die choralgebundene dt. Orgelmusik zwischen Bach und der frühen Moderne bietet. Aber auch hier sind für alle Bände rund 150 Euro fällig – die zweifellos sehr gut angelegt sind (vor allem, wenn sie aus der Kirchenkasse kommen).

Nach wie vor liegt die Romantik im Trend. Und wohl deshalb haben beide Verlage noch zusätzlich Sammlungen mir romantischer Choral-Literatur zum EG aufgelegt. Bei Breitkopf heißt die Sammlung „Hier preisen auf der Erd“, hg. von Klaus-Uwe Ludwig in zwei (dicken) Bänden (EB 8628 und 8629). Sie enthält ein paar echte Raritäten und durchweg qualitätvolle, textausdeutende Bearbeitungen von z.T. gehobenem Schwierigkeitsgrad.

Bärenreiter zieht nach mit „Choralvorspiele des 19. Jh.“ hg. von Andreas Rockstroh – bisher sind drei Bände der alphabetisch nach Liedanfängen geordneten Sammlung erschienen (BA 8431 Buchstabe A-D, BA 8432 Buchst. E, BA 8433, Buchst. F-L). Bis das Alphabet komplett ist, werden wohl noch drei bis vier Hefte herauskommen. Und dem sehe ich mit Interesse entgegen. Denn der Herausgeber hat eine gute Nase für das, was auch ohne großen Übeaufwand geht und wirklich gut klingt. Und offenbar hat er Zugriff auf einen umfangreichen Fundus von Sammlungen der Jahrhundertwende, die vor Jahren noch auf fast jeder Empore vor sich hin schimmelten und oft bei irgendeiner Entrümpelungsaktion im Müll landeten. (Häufig waren Orgelneubauten Anlass dazu - und ich habe mich als zugezogener Sachberater immer mit diesem „alten Glump“ beschenken lassen. Wenn ich mal Rentner bin – eine handvoll Jährchen sind’s noch hin – gehe ich vielleicht doch noch unter die „Editoren“.) Mit sicherem Griff pickt sich Rockstroh die Rosinen aus diesen Alben heraus. Eine äußerst empfehlenswerte Sammlung, wenn die übrigen Hefte das halten, was die ersten beiden versprechen.

Wer sich keine mehrbändige Sammlung von Choralvorspielen zulegen kann oder will, und wer dazu ausschließlich manualiter präludieren will oder muss, der ist mit den „Orgelvorspielen zum EG“ hg. von Johannes Muntschick bei Strube (VS 3077) gut beraten. Der – dicke und mit festem Deckel gebundene – Band liefert zu den Liedern des EG in der Regel zwei versch. Vorspiele, die zeitgenössischen Autoren haben sich bewusst um gediegenes Handwerk bemüht und leben ihre „Modernität“ anderswo aus. Alle Stücke sind durchweg vom Blatt zu spielen.

Inzwischen gibt es jede Menge Neueditionen romantischer Choralvorspiele - als Johannes Matthias Michel 1986 seinen Band „Choralvorspiele aus Klassik und Romantik“ veröffentlichte (Strube VS 3020), war das aber fast eine Pioniertat. Denn vor allem die lange Zeit vielgeschmähten Klassiker Fischer, Kittel, Rinck etc. waren erstmals wieder greifbar – in qualitätvoller Auswahl. Darüber hinaus bietet das Heft romantische „Kleinmeister“ wie Barner, Flügel, Mergener, Ritter, Reichhardt, Engelbrecht und andere, deren Namen ich bis zum Kauf dieser Sammlung nie gehört hatte. Trotz mäßigen Schwierigkeitsgrades genügen die Arbeiten hohem Qualitätsanspruch. Und in der Neuauflage soll das Notenbild erheblich verbessert sein – in meinem Heft wirken die Noten noch „handgemalt“.

Heft 39 der Reihe „Incognita Organo“ bei Harmonia Uitgave (HU 3879) bietet sechs „Choralbearbeitungen um J.S. Bach“. Die Stücke von Johann Bernhard Bach, Georg Andreas Sorge und Gottfried Kirchhoff sind solides Organistenhandwerk, unspektakulär aber klangschön, sauber am c.f. entlanggearbeitet und mit wenig Aufwand zu spielen. Die Orgel sollte aber schon zweimanualig sein und über ein Cornett für Diskant- und eine leise Solozunge für Tenordurchführungen verfügen.

Eine altbewährte Sammlung – falls überhaupt noch lieferbar – ist der Peters-Band „Choralbearbeitungen des 17. und 18. Jh., hg von Erhard Franke (EP 9931). Obwohl in die Jahre gekommen, bietet der umfangreiche Band immer noch einen editionstechnisch ausgezeichneten Notentext über 120 Choralbearbeitungen von Buxtehude- und Bach-Zeitgenossen. Mein Exemplar stammt aus der Konkursmasse des „ersten (und hoffentlich letzten) Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden“, also von Peters Leipzig, und hat einen schönen, festen (braunen – sie wollten wohl das Rot nicht profanieren) Einband. Wenn so was antiquarisch zu bekommen wäre, würde ich zuschlagen – wenn ich den Band noch nicht hätte.

Ebenfalls ein Peters-Uralt-Klassiker ist Karl Straubes „Choralvorspiele alter Meister“ (EP 3048). Der Band bietet u.a. das gesamte Choralwerk von Johann Nicolaus Hanff, Walthers schöne Partita über „Jesu, meine Freude“ und andere Opera unbekannterer Barockmeister, insgesamt 45 Stücke. Das Notenbild mit Straubes allgegenwärtigen Phrasierungsbögen, jede Menge dynamischer Zeichen und Schriften, Walzencrescendi etc. erfüllt zwar fast den Tatbestand der Nötigung, aber immerhin hat sich der Meister überwunden, die Hände vom Notentext zu lassen (was ihm nicht einmal in seiner Bach-Ausgabe gelungen ist). Trotzdem – viel Choralbearbeitung für relativ wenig Geld. Ich jedenfalls würde den Band nicht aus meinem Fundus ausmustern, denn ich finde in ihm öfter mal was, was ich in neueren Sammlungen nicht habe.

Einen sehr brauchbaren Notentext ohne alle überflüssigen Zutaten bietet Hermann Keller in den „80 Choralvorspielen deutscher Meister des 17. und 18. Jh.“, erschienen bei Peters (EP 4448). Keller bietet nicht nur eine gute Auswahl, die sich nur geringfügig mit den Sammlungen von Straube und Franke überschneidet (und dann in der Regel Alternativtonarten zu den Doubletten bietet). Er hat dem c.f. immer den Choraltext (1. Vers) unterlegt. Das finde ich für Schüler sehr hilfreich. (Ich musste bei meinem ersten Orgellehrer im Unterricht bei den Chorälen aus Bachs Orgelbüchlein (fast) immer den c.f. mitsingen. Das vermittelte ein Gefühl für das „tempo giusto“.) Die Sammlung ist alphabetisch nach Liedanfängen geordnet, das meiste steht noch in den „alten“ (höheren) Tonarten.

Ob es die drei Bände von Fleischer/Fiebig „Leichte Choralvorspiele“, erschienen bei Leuckart, München, noch gibt, weiß ich nicht. Die meinen sind rund 40 Jahre alt und haben sich – vor allem in meinen organistischen Säuglingsjahren – hervorragend bewährt. Was mir an ihnen auch heute noch gefällt: Die Autoren hatten viele Beiträge von Zeitgenossen aufgenommen, die sehr bewusst und mit viel Klangsinn für die Neo-Barockorgel schrieben (Grabner, J.N. David, Hessenberg, E. Wenzel, Hiltscher, Höller, Raphael). Durchweg lineare Musik, deren harmonische Reibungen sich stets aus einer schlüssigen Stimmführung ergeben. Ich habe diese Sachen als Schüler sehr gern gespielt. Weiterer Vorteil der Sammlung: Jedem Choralvorspiel folgt ein gut liegender dreistimmiger Begleitsatz, der manualiter oder als Trio mit c.f. im Sopran gespielt werden kann. Ich durfte an diesen Sätzen meine ersten Improvisationsversuche (Choraltrio mit koloriertem c.f.) wagen. Die Hefte I und III enthalten übrigens auch in jeweiligen Anhängen einen kleinen Fundus an freier Literatur barocker oder orgelbewegter Faktur – ebenfalls durchaus leicht spielbar und spielenswert.

 Mit die peinvollsten musikalischen Erlebnisse hatte ich als Zuhörer bei zwei Arten von Anlässen: bei Hochzeiten und bei Beerdigungen. Gerade bei letzteren ist eine unsentimentale, aber einfühlende, tröstende und heilende Musik von höchster Qualität nötig. Eine ausgezeichnete Auswahl legt Wolfgang Brettschneider in seiner Sammlung „Mitten in dem Leben sind wir mit dem Tod umfangen“ vor, erschienen bei Butz (BU1597).

Da unter den 38 Titeln 28 Choralbearbeitungen aus Barock und Romantik sind, ordne ich das 75-Seiten-Heft hier ein. Unter den Chorälen finden sich beispielsweise Genre-Klassiker wie „Christus, der ist mein Leben“ – in verschiedenen Bearbeitungen von Zachow, Rinck, Brosig, Türke, Flügel – eine davon ist auf (fast) jeder Friedhofsorgel zu machen. (Was so manche Zivilgemeinden in ihren Aussegnungshallen als „Orgel“ herumstehen haben, erfüllt m.E. den Straftatbestand der Leichenschändung.) Arbeiten über „Jesu meine Freude“ (Rembt und Töpfer) oder „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (Reger, o. Op.) lassen aber auch Auferstehungshoffnung durchscheinen. Und das ist ein wichtiger Aspekt einer christlichen Trauerfeier. (Meine Schwiegermutter bestand darauf, daß ich ihr zum Schluß ihres Trauergottesdienstes eine pompöse „Himmelsintrade“ über „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ improvisiere. Und so geschah es…)

Brettschneiders Auswahl ist qualitativ über jeden Zweifel erhaben. Auch die freien Werke werden dem Anlaß in jeder Weise gerecht – z.B. das h-moll Präludium aus Bachs WTK. Die l.H auf separatem Man. mit 16’-Basis, die r.H. mit Prinzipalen oder Flöten 8’ + 4’ gespielt, und heraus kommt ein würdiges Trauerpräludium. Ein paar seltene Guilmants (mit den programmatsichen Titeln „Gebet“, „Lamento“, „Elegie“, „Bitte um Vergebung“) runden den Inhalt dieses ausgezeichneten Heftes ab. Daß viele Kollegen ihr „Friedhofsrepertoire“ aus ihm ergänzen, halte ich für sehr wünschenswert. Denn nichts daraus ist wirklich schwer. Aber gerade Musik für solche Anlässe muß ordentlich geübt sein. Trauer verträgt keine musikalische (und/oder theologische) Dilettanz.

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