Chor und Orgel Forum

| Orgellehrling von E.Schwarz-Schertler


Der Orgellehrling
frei nach dem "Zauberlehrling" von Goethe


Hat der alte Orgelmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben,
seine Orgelwerke
kenn ich und den Brauch
und mit Geistesstärke
spiel ich Orgel auch.

Tönet, tönet
Orgelpfeifen,
Finger greifen
Füße flieget,
dass es wunderbarlich dröhnet
und das Kirchenschiff sich bieget.

Und nun kommt, ihr Orgelstücke,
dass trotz schlechter Fingersätze
und so mancher Notentücke
ich über die Tasten hetze.
Mit zwei Beinen spiel ich`,
hab`auch ein Gehirn
und mit diesem wühl ich
mich durch alle Wirr`n.

Klinget, klinget
Orgeltöne
wunderschöne!
Klänge fließet,
dass der Hörer Herz aufspringet,
sich ein Tränenfluss ergießet.

Und sie laufen meine Finger
und die beiden Füße hasten,
doch der Winddruck wird geringer,
wenn ich drück die Orgeltasten.
Meine Füß`und Hände
tun zwar, was ich will,
doch wie ich mich wende,
Orgel bleibet still.

Wehe! Wehe
Orgelpfeifen!
Mich ergreifen
Angst und Plagen!
Kein Ton kommt mehr aus der Höhe,
das muss ich dem Meister sagen.

Ach, ich wünschte, dass am Ende
alles wär`wie es gewesen.
Wenn ich beichte ganz behände,
schlägt er mich nicht mit dem Besen.
Zitternd vor ihm stehe
ich als armer Tropf.
Er sagt einfach: "Gehe!
Gebrauch mal deinen Kopf!"

Dann am Ende
ganz behände
kommt ein Einfall.
Welch ein Reinfall!
Und es fällt
mir wie Schuppen von den Augen,
dass die Orgeln gar nichts taugen,
ist der Strom mal abgestellt.

von Ellen Schwarz-Schertler

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